01. April 2019

Agil arbeiten? Sauanstrengend!

Agiles Arbeiten in mittelständischen Unternehmen

Auf der Liste der Angeberwörter des Selbstmarketings ist Agilität ganz vorne dabei. Das Wort ist allgegenwärtig, doch die tatsächliche Umsetzung, vor allem in mittelständischen Betrieben, weit von selbstverständlicher Unternehmenskultur entfernt. Schon gibt es erste Meinungsmacher, die behaupten, die agile Bewegung sei gescheitert. Hat sich halt die nächste Sau, die durchs Dorf getrieben wurde, wieder totgelaufen, wird sich manch Geschäftsführer oder Abteilungsleiter vielleicht denken.

Das wäre schade, denn gerade in den Bereichen Marketing und Kommunikation sind die agilen Prinzipien überaus hilfreich. Ohne das Wort zu kennen, haben wir die alten tayloristischen Prinzipien seit unserer Gründung 2005 immer mehr abgelegt und uns dabei am Sport orientiert. „Make the team win“ ist einer unserer Leitsätze geworden. Dabei geht es darum, zu verstehen, was in einer Situation übergeordnet gefordert und von einem persönlich eingebracht werden muss, damit ein Projekt erfolgreich ist, bzw. bleibt.

Ruhig mal sportlich denken

So wie sich im Handball, Fußball oder Volleyball das Team immer wieder flexibel und dynamisch auf neue Situation einstellen muss, sind Teamplayer auf den Positionen Text, Konzeption, Programmierung, Design, Beratung, Strategie etc. aufgefordert sich initiativ, situativ, eigenverantwortlich und dynamisch einzubringen. Damit dies gelingt, muss jedes Teammitglied sowohl das big picture kennen und verstehen, als auch im Detail hohe Fachkompetenz, technische Exzellenz und Stressresistenz mitbringen.

Für die Selbstorganisation ist eine dynamische Kommunikationskultur aufzubauen, die die Desintegration von Denken und Handeln abbaut, also das Mindset wonach oben entschieden und unten umgesetzt wird. Vielmehr muss ein nachhaltiges Arbeiten gefördert werden. Das bedeutet konkret: ein konstantes Tempo unterbrochen von schnellen Sprints und begleitet von transparenten Abstimmungen. Slack, trello, Confluence, Jira sind dann tools, die so selbstverständlich werden, wie Telefon, Excel-Listen und E-Mail in der alten Planwirtschaft.

Kontrolle ist gut. Vertrauen ist besser. Viel besser.

Es war Lenin, dem der Spruch „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ zugeschrieben wird. Und man hört ihn gebetsmühlenartig in streng hierarchisch und zentral gesteuerten Organisationen. Doch was tun, wenn Kontexte derart komplex werden, dass nicht einer final entscheiden kann, sondern viele permanent, dynamisch entscheiden müssen. Was, wenn eben nicht einer das Ganze überblicken, sondern sich das Ganze, wenn überhaupt, erst durch die Vielzahl seiner Mitstreiter und den intensiven Austausch untereinander ergibt? Und zwar immer wieder neu. Klingt anstrengend. Ist es auch.

In Organisationen, die weiterhin strenge Hierarchien fördern, hat Agilität keine Chance. Denn welche Führungskraft ist schon bereit, zugunsten eines diffusen Gesamtergebnisses seine Position, seine Macht, seine Karriere zu opfern? Kollaboration und Sinnökonomie sind leere Hülsen, wenn es doch nur um individuelle Privilegien, Einflussnahme, Boni etc. geht. Wo es kein „nach oben“ gibt, gibt es auch kein Weiterkommen. Da wird dann vielleicht die spießige Krawatte abgenommen und von Agilität gesprochen. Gedacht und gehandelt wird anders.

Schluss mit Blendwerk

Im Teamsport kommt man mit dieser Art von Symbolismus nicht weit. Wir empfehlen eine im Breitensport bekannte Lösung: den Spielertrainer. Mit auf dem Platz stehen, wenn es um die Punkte geht und gleichzeitig alles daransetzen, Zusammenspiel, Strategie und individuelle Kompetenzen zu fördern. Das ist das genaue Gegenteil von Vorgaben machen und abarbeiten lassen.

Das Magazin t3n hat es in seiner aktuellen Ausgabe schön zusammengefasst: „... in einem sich ständig wandelnden Arbeitsumfeld müssen Führungskräfte heute als Visionäre, Motivatoren und Coaches in der Lage sein, nicht nur die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sie müssen Menschen von sich begeistern. Die digitale Transformation verlangt von Managern, sich stetig zu verwandeln und ihre Persönlichkeit weiterzuentwickeln.“

Wir sagen: Nein! Nicht „nur“ die Manger/ Geschäftsführer müssen dies. Alle im Team! Und genau deshalb ist es ja so sauanstrengend ... und genau deshalb wollen so viele lieber weiter machen wie bisher.

Wer sich mit der nachhaltigen Verbesserung seiner Unternehmenskultur beschäftigt und noch nie von Fred Kofman, einem Pionier der integralen Kommunikation,  gehört hat, dem empfehlen wir diesen Klassiker, denn er gibt viele gute Impulse, die Art des gelernten Miteinanders in Frage zu stellen und sich sowie sein Team neu aufzustellen. Von ihm stammt auch die Idee „let the team win“:

Sie haben Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns!

Patrick Schmidt, Digitales Marketing

Patrick Schmidt

Digitales Marketing & Projektmanagement