08. April 2019

Mehr echte Risikobereitschaft

Skin in the Game | Das Risiko und sein Preis

Warum scheitern Projekte oder kommen erst gar nicht in Fahrt? Es könnte am mangelnden „Skin in the Game“ liegen, also an echter Teilnahme, realen Handlungen und mutiger Bereitschaft für Konsequenzen. Nassim Taleb stellt diese These auf und liefert darüber hinaus eine Vielzahl erhellender Formulierungen.

„Bürokratie ist ein Mechanismus, durch den eine Person von den Folgen ihres Handelns abgetrennt wird.“ Das ist so ein typischer Taleb-Satz. Genauso wie: „Ausschlaggebend ist nicht, was eine Person hat oder nicht hat; ausschlaggebend ist, was sie Angst hat zu verlieren.“ Aufgrund der Vielzahl an Denkanstößen empfehlen wir gern „Skin in the Game“ von Nassim Taleb, was uns nicht zwingend zu Fans dieses radikal-polemischen Denkers macht.

Stehen Menschen für die Risiken ein, die sie verursachen?

Taleb sieht überall „intellectuals yet idiots“, also „Intellektuelle, die trotzdem Idioten sind“. Also Menschen, die viel Macht und Einfluss haben, aber nicht wirklich den Kopf hinhalten müssen für das, was sie tun und veranlassen. Journalisten, Bürokraten, Banker, Politikern uvm. wirft er vor, kein »Skin in the Game« zu haben. Und weil sie den Preis nicht bezahlen müssen, wenn sie irren, fällen sie schlechte Entscheidungen. Er wünscht sich das Prinzip römischer Brückenbauer zurück, die unter ihren eigenen Brücken nach deren Fertigstellung, mehrere Nächte schlafen mussten. Da es das zu wenig gäbe, sagt er: „Der Fluch der Modernität besteht darin, dass es immer Menschen gibt, die besser erklären können als verstehen. Oder besser erklären als handeln.“

Nassim Nicholas Taleb wurde 2007 mit seinem Buch „Der schwarze Schwan“ berühmt, denn er sagte darin die Finanzkrise voraus. Er selbst war bereit, große Opfer zu bringen und seine eigenen Thesen zu leben. Broker, die ihn vor dem Crash persönlich beobachteten, sprechen davon, dass er regelrecht „ausblutete“, weil er permanent gegen den Markt bot und immer mehr vereinsamte. Taleb ist daher glaubwürdig, wenngleich der Erfolg seinem Ego nicht guttat. Demut wurde durch Aggression und Häme ersetzt. Er wurde tief gekränkt und lebt seither seinen Übermut aus. Daher ist er, trotz aller Brillanz, immer mit Vorsicht und am besten in kleinen Dosen zu „genießen“.

Ableitungen für den kreativen Alltag:

  1. Hat der Partner, Auftraggeber wirklich Skin in the game oder hat er gar nichts zu verlieren?
  2. Das persönliche Risiko sollte transparent gemacht werden. Wer hat was zu verlieren, wenn das Projekt, die Idee schiefgeht?
  3. Engagement und Leidenschaft korrelieren positiv mit persönlichem Risiko.
  4. Halten Sie sich fern von der Realität entkoppelter Bürokraten und Risiko-Abwälzern.
  5. Das Risiko auf sich nehmen mit Skin in the game ist Mut, alles andere ist Heuchelei, Dämlichkeit oder beides.
  6. Wollen Sie Recht haben oder gewinnen?
  7. Sportler haben immer Skin in the game – daher lohnt es sich, die Dinge sportlich zu sehen.

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Sascha Herbst, Geschäftsführer, Strategie & Beratung

Sascha Herbst

Strategische Beratung & Geschäftsmodelle