Zur Wahl in Sachsen-Anhalt
Die Idee hinter dem Spot
Zwei Männer, ein Fußballspiel der Lokalmannschaft, ein Abend wie jeder andere. Der eine kommentiert das Spiel. Der andere antwortet mit Sätzen, die überhaupt nicht zur Situation passen. Es fallen Sätze über das Volk, über Aufräumen und Ausmisten, über Remigration. Niemand widerspricht, niemand horcht auf, es läuft einfach weiter. Erst als es um die Wurst geht, gibt es eine echte Reaktion. Angesichts der Landtagswahl am 6. September 2026 wurde der Film für eine Initiative aus Sachsen-Anhalt entwickelt und realisiert. Er nennt bewusst keine Partei, er kommentiert nichts und er erklärt nichts. Er zeigt einen Dialog, der keiner ist.
Ein Satz braucht einen Menschen, der ihn aufnimmt, verarbeitet und sich in seiner Antwort darauf bezieht. Wo das ausbleibt, bleibt Irritation zurück. Genau dieses Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt, erzeugt der Film
Sie sind nicht zugespitzt, nicht ironisch gesprochen, nicht betont. Sie werden gesagt wie eine banale Bemerkung über das Spiel. Ihre Wucht kommt nicht aus der Darbietung, sondern aus dem, was in ihnen steckt, und aus der Beiläufigkeit, mit der sie gesagt werden. Sind wir schon so weit, dass wir solche Sätze als normal hinnehmen?
Am Ende steht kein Argument, sondern eine Frage, die jeder für sich beantworten kann. Will man Menschen, die so sprechen, wirklich seine Stimme geben?
In den Probeläufen kam regelmäßig "Hä?" und "das versteht doch keiner". Wir haben das ernst genommen und uns trotzdem dagegen entschieden, den Film aufzulösen. Wer nach vierzig Sekunden nicht weiß, was er gerade gehört hat, hat genau die Erfahrung gemacht, um die es geht. Ein Film, der diese Sätze erklärt, macht sie erträglich. Das war nicht die Aufgabe.
Der Film wurde fertiggestellt, aber nie im Rahmen einer Kampagne ausgestrahlt. Der Auftraggeber entschied sich im Projektverlauf für eine andere Linie und hat uns die Veröffentlichung als Referenz freigegeben. Wir zeigen ihn, weil er ein Zeitdokument ist und weil er zeigt, wie wir arbeiten: schwierige Themen aufnehmen, den einen Mechanismus finden, der sie ohne Erklärung verständlich macht, und ihn sauber produzieren. Haltung gehört für uns dazu.
Alle im Film gesprochenen politischen Sätze sind dokumentiert: zwei öffentliche Äußerungen von AfD-Politikern und ein Satz aus dem Grundsatzprogramm der Partei. Sie sind für den Dialog auf Satzlänge gekürzt, inhaltlich aber unverändert.
„Wenn wir kommen, wird aufgeräumt, wird ausgemistet, wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht. Wir sind das Volk, liebe Freunde."
Markus Frohnmaier (AfD), Rede in Erfurt, 28. Oktober 2015. Im Original: „Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht, denn wir sind das Volk, liebe Freunde." Im Film ist der Satz auf zwei Repliken verteilt, die Konjunktionen sind gestrichen. Dokumentiert unter anderem in der Berichterstattung des Deutschlandfunks vom 29. Oktober 2015.
„Der Islam gehört nicht zu Deutschland."
Grundsatzprogramm der AfD, beschlossen auf dem Bundesparteitag in Stuttgart 2016, dort als Überschrift im Kapitel zum Islam. Keine Einzelmeinung, sondern beschlossene Programmatik.
„Remigration ist kein Unwort. Remigration ist eine Selbstverständlichkeit und das Gebot der Stunde."
Ulrich Siegmund (AfD), Rede im Landtag von Sachsen-Anhalt, Januar 2024. Das vollständige Sitzungstranskript ist auf den Seiten des Landtags abrufbar. Siegmund ist Spitzenkandidat seiner Partei zur Landtagswahl am 6. September 2026.
Der Satz aus Erfurt ist elf Jahre alt und stammt von einem Abgeordneten aus Baden-Württemberg. Er steht im Film, weil er die Sprache benennt, mit der eine Machtübernahme beschrieben wird, und weil ihm bis heute niemand aus der Partei widersprochen hat. Zumindest uns nicht bekannt, bzw. nicht recherchierbar. Der Satz aus Magdeburg stammt vom Spitzenkandidaten des Landes, in dem gewählt wird. Beide sind öffentlich gefallen, vor Publikum und im Parlament.